Zinskommentar KW 46 - 2020

Crestfinanz Newsletter 11.11.2020 - Steht uns negatives Wachstum bevor?

Die zweite Welle der Corona Pandemie hat uns und die Eurozone nach wie vor fest im Griff. Die damit verbundenen Herausforderungen sind Stand heute nur schwer abzuschätzen. Doch selbst im inneren Kreis der EZB werden die kritischen Stimmen lauter. In Person von EZB - Vizepräsident Luis de Guindos wird mit einem negativen Wachstum gerechnet. 
Dieser, nicht aus der absoluten Phantasie, gegriffenen Prognose steht ein weiteres Hilfspaket der EZB entgegen. Die deutsche EZB - Direktorin Isabell Schnabel gab kürzlich im Interview bekannt, dass die Analysen der EZB zeigen, eine weitere Zinssenkung wäre durchaus möglich, ohne an den Punkt zu gelangen, an dem diese nicht mehr wirkt oder gar Schaden anrichtet.Betrachtet man jetzt die Banken in der Eurozone, so darf der wirtschaftliche Abschwung, der aktuell schon eingetreten ist, durch den Bankensektor nicht weiter verschärft werden. Welche Möglichkeiten sich hier als bestes Instument erweisen, ist sicherlich noch offen. 
Der Einlagensatz, aktuell bei -0,5% liegend, ist sicherlich eine Möglichkeit, der Kreditvergabepolitik positiven Schwung zu verleihen.  
Wenn man jedoch die Möglichkeiten der Notenbanken komplett betrachtet, so kommt man unweigerlich zum Vorschlag von Charles Bean, der erstmals öffentlich Ende März dafür geworben hat, dass die Bank of England direkt britische Staatsanleihen kaufen sollte, um die Liquidität für die Minderung der Folgen der Seuche bereit zu halten. Er geht nämlich davon aus, dass private Investoren keine große Nachfrage an Staatsanleihen generieren werden.
Diese Worte als Aussage von Charles Bean, der als ehemaliger stellvertetender Chef der Notenbank weiß wovon er spricht, geben dieser Form der Staatsfinanzierung nochmals neue Bedeutung. Bisher ist eine direkte Staatsfinanzierung durch eine Notenbank, nach den Erharungen von zwei großen Inflationen in Deutschland, ein Tabubruch.All diese Aussagen und Meinungen münden letztendlich in einem Szenario. Es wird weitere Zinsmaßnahmen geben, die zur Stützung des Konsums, der Wirtschaft und der Staatsfinanzen dienen sollen. Die direkten Auswirkungen auf den Zinsmarkt sind insofern nur schwer absehbar, da heute schon nicht mehr alle Bewegungen  an den Kunden weitergegeben werden. Wir empfehlen daher weiterhin die aktuelle Marktsituation zu nutzen um sich mit guten Konditionen langfristige Planungssicherheit zu schaffen.



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